Mensch, ärgere Dich nicht ...

von WissensWirt (Kommentare: 0)

Wie wirtschaften wir heute?

Erinnern Sie sich an das berühmte Brett- und Würfelspiel „Mensch-ärger-Dich-nicht“?

Ziel dieses Spieles ist es, mit den eigenen 4 Spielfiguren so schnell wie möglich von der Ausgangsposition ins Ziel zu kommen. Zusätzlich ist eine der Hauptaufgaben, den oder die MitspielerInnen möglichst oft „zu werfen“. Dadurch muss der /die MitspielerIn zurück in´s eigene Haus und alles was er oder sie bis dahin erreicht haben verpufft somit wirkungslos. Man muss wieder ganz von vorne anfangen.

Vielleicht gibt es zumindest einen sinnvollen Effekt: wie gehe ich mit Niederlagen und Rückschlägen im Leben um?

Soweit zum Spiel auf dem Brett. Manchmal, wenn ich unser wirtschaftliches oder gesellschaftliches Handeln in der realen Welt betrachte, sehe ich ein ähnliches Verhalten, wie auf dem Spielbrett von „Mensch-ärgere-Dich-nicht“.

Selber wirtschaftlich vorwärts zu kommen und dabei die anderen schädigen und aus dem Spiel werfen. Wichtig ist, dass ich gewinne und die Anderen, soweit wie möglich ihr bisher Erreichtes verlieren. Den Mitspielerinnen und Mitspielern so oft und so umfassend wie möglich Schaden zufügen – ohne Rücksicht aus „dem Rennen“ katapultieren.

Mehrere tausend Jahre menschliche Entwicklung (philosophische, religiöse und gesellschaftliche) haben ein Wirtschaftssystem her-vorgebracht, in dem die Schädigung der Erde, der Umwelt und der Mitmenschen rechtlich und politisch abgesichert - ja sogar geplant und programmiert ist.

Hier müssen gar keine weiteren Erläuterungen erfolgen. Wir alle kennen genügend Beispiele für dieses weltweite Handeln. Und bei kritischer Selbstbetrachtung ertappen wir uns vielleicht sogar selbst dabei.

Verwunderlich dabei ist, dass die Mehrzahl der Menschen das so akzeptiert. Scheinbar sind wir schon so umerzogen, dass wir uns gegen solches Verhalten und Handeln nicht mehr auflehnen; dass wir keinen Willen oder keine Energie haben, eine Änderung herbei-zuführen. Oder vielleicht noch schlimmer: dass es auch unser eigenes Handeln geworden ist.

Sie wollen Beispiele? Okay:

  • Ein Unternehmen der Versicherungswirtschaft machte im Jahr 2005 über 4 Milliarden Euro Gewinn (4.000.000.000 !!!) und beschließt gleichzeitig 7200 Arbeitsplätze abzubauen.
  • Große Industrieunternehmen verringern ihren Personalbestand, anschließend werden für die neuen Produktionsanlagen über Zeitarbeitsfirmen Arbeitslose zu niedrigem Lohn eingestellt – die „alten“ Tarifverträge werden umgangen.
  • Seit Jahren führt jeder Politiker den Schutz der Jugend vor „gewaltverherrlichenden Computerspielen“ auf den Lippen. Bis heute gibt es noch keinen Gesetzentwurf zum Verbot von Killerspielen durch die Parteien im Bundestag. Was wird hier geschützt: die Wirtschaft oder die Jugend?

Aber da gibt´s ja noch ein anderes Brettspiel: „HALMA“

Auch bei HALMA stehen mehrer Spieler in Konkurrenz zueinander und jeder will gewinnen. Über ein Netz von Spielpunkten - mitei-nander verbunden - sollen die Spielfiguren von der Ausgangsstel-lung zu einer gegenüberliegenden Zielstellung geführt werden. Je-der SpielteilnehmerIn nutzt dabei seine/ihre eigenen und die Spiel-figuren der anderen SpielerInnen zum eigenen Vorwärtskommen.

Jeder versucht zuerst alleine mit seinen Figuren eine "Strasse" zu bauen, um möglichst schnell ans Ziel zu kommen. Doch schnell verflechten sich die verschiedenen Handlungswege der einzelnen Spieler und ein anderer Weg zum Ziel eröffnet sich. Natürlich ist auch hier der Spielzweck zu gewinnen – die Nr. „1“ zu werden - das Entscheidende ist jedoch, dass beim Spiel niemand geschädigt – niemand um das bisher Erreichte beraubt wird.

Ganz im Gegenteil: alle MitspielerInnen bilden ein Netzwerk zum gemeinsamen Nutzen. Ja, allein kommt keiner zum Ziel. Natürlich gibt es auch hier - wie im alltäglichen Wirtschaftsleben - SpielerIn-nen, die besser spielen, weiter vorausschauen, cleverer kombinie-ren, mehr Talent und Erfolg haben, schneller lernen. Eine gesun-de Konkurrenz bringt uns alle weiter. – Übrigens: „Konkurrenz kommt aus dem Latein und heißt wörtlich übersetzt: „zusammenlaufen“ - Schnell ändert sich auch das Ziel des Spiels - nicht mehr der direkte schnelle Weg zum Ziel bringt den Spass, sondern eine möglichst vernetzte, möglichst viele Spielsteine einbindende Sprung-Kombination - also echte Kreativität - bringt den echten Lustgewinn und die Anerkennung der Mitspieler

ABER: Niemand wird geschädigt – niemand muss wieder ganz von vorne anfangen.

Auch hierfür gibt es bereits einige funktionierende Beispiele. Netz-werke zwischen Firmen mit ähnlichem oder auch ganz unterschiedlichem Wirtschaftsziel bilden sich zum gegenseitigen Nutzen. Ge-meinsamer Einkauf, gemeinsame Verwaltung, gemeinsame Ver-marktung - alles ist möglich, auch ohne gleich an Absprachen und Klüngelei zu denken.

 

Auch im Wirtschaftsleben muss gelten "leben und leben lassen",
Erfolg ist gewollt, aber nicht um jeden Preis. Neue, kreative Wege
sind gefragt, dann klappt es auch mit dem Miteinander.

Ich lade alle dazu ein: Lasst uns Halma spielen!
Täglich, überall, jederzeit!

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